Stolze Leere

Wir schreiben den 23.05.2016, es ist 21:57 Uhr und ein Gefühl aus Frust, Wut, Ärger und Hass durchfährt mich. Frankfurt hat gerade zum 1:0 getroffen. Es ist Relegation, mit diesem Ergebnis würden wir nicht aufsteigen und müssten mindestens noch ein Jahr in der 2. Liga bleiben.

Einen Moment danach verspüre ich Leere. Ich fühle mich geschlagen. Ich habe in diesem Moment alles gegeben, was ich geben konnte. Eine tiefe Leere, ich blicke emotionslos auf den Platz und möchte es nicht wahrhaben. Soll es das gewesen sein? Kein Aufstieg? Kein Platzsturm? Keine Feier? 18 Spiele ohne Niederlage, umsonst?

Zum Abstieg aus der Bundesliga wurde auf Schalke eine Plakat mit “Manchmal hasst man das was man doch liebt!” gezeigt. Genauso fühlte ich mich am Montag-Abend. Um mich herum sieht man geschockte Menschen. Es laufen bereits die ersten Tränen.

Es dauerte einige Momente das Tor zu verarbeiten. Wir steigen nicht auf. Die Leere weicht dem Stolz. Stolz, den man über eine Saison verspürte. Es gab so viele Momente in dieser Saison, die uns glücklich machten und uns soviel Kraft gaben.

Der 2:1 Siegtreffer durch Stieber in der Nachspielzeit gegen Kaiserslautern, nach dem Schäfer verletzt ausgewechselt wurde und Rakovsky mit einer Prellung spielen musste. Dieser Moment hat sich in den Kopf gebrannt.

Der 2:1 Siegtreffer durch Füllkrug gegen die Westvorstadt, dem ersten Derbysieg nach 8 Jahren und einer unvergessen Feierei nach dem Spiel. Das nimmt uns keiner!

Das 3:1 gegen den Brausekonzern aus Leipzig, als Burgstaller 3 mal vor dem leeren Tor steht, völlig kaputt und nicht mehr spielfähig den letzten Treffer macht und danach zusammen bricht.

Das furiose 6:2 gegen Union Berlin, wo man zwischen Himmel und Hölle war, in einer Halbzeit 6 Tore schoss und ein richtiges Fest feierte.

Eine Serie von 18 Spielen ohne Niederlage mit den stetigen Hoffnung doch noch auf einen direkten Aufstiegsplatz zu springen.

Die Relegation war der Bonus, welchen wir uns erspielten. Der Bonus, an den keiner mehr glaubt nach einer Saison im Niemandsland der zweiten Liga und einen verkorksten Saisonstart. Der Bonus, den keiner wollte.

Wenn ich an das Spiel gegen Frankfurt denke, denke ich nicht an die Niederlage. Ich denke an die 65 Minuten feinste Stimmung im Stadion, Gesänge die von der ganzen Nordkurve getragen wurden und einem die Gänsehaut auf die Haut zauberte. Untermalt von pyrotechnischen Mitteln, welche einem das Magnesium in die Nase brannte wurde hier zelebriert was Nürnberg ist.

Und die Momente zum Ende des Spiels, als sich aus der Schock-starre langsam der Stolz erhob. Ein Stolz, untermalt von weinenden Spielern. Abgerundet von einem “You’ll never walk alone”, welches in dem Moment passte und eigentlich alles aussagte. Einer feiernden Nordkurve, die der Mannschaft und allen anderen vermittelte, das wir jeden steinigen Weg mit diesem Verein gehen.

Am Ende ist es wirklich egal was auch passiert, wir lieben diesen Verein sowieso.